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Halo Effect – Recoding | Review by Medienkonverter

Bislang war Italien nicht dafür bekannt, die elektronische Musikszene mit krass-geilen Neuveröffentlichungen im Bereich des EBM-Synthpop-Genres zu beglücken. Doch seitdem das Label EK Produkt in schöner Regelmäßigkeit sowohl den einheimischen „musicista“, als auch internationalen Acts durch aufwendige Werbeaktivitäten nachdrücklichen Schwung verleiht, kommen europäische Club-DJs nicht mehr um talentierte EK-Eigengewächse wie „Impakt!“, „Klonavenus“ und nicht zuletzt „Halo Effect“ herum.

Letztere konnten nun kurz vor Weihnachten ihr neues Album Recoding auf den Markt bringen. Auf dem Cover prangt eine Weltkugel, die per Kabel an eine überdimensionierte Satellitenempfangsstation angeschlossen ist. Die grafische Umsetzung spiegelt dabei perfekt das Thema des konzeptionell relativ stringenten Werks wieder: den Wunsch der Menschheit nach ihrer eigenen Neuerfindung außerhalb bekannter irdischer Sphären. Songnamen wie „Spaceman oder „Android“ könnten dabei auch direkt vom kommenden S.P.O.C.K. Comeback-Album stammen, doch im Gegensatz zu den schwedischen Spaß-Poppern ist das italienische Quartett lyrisch deutlich seriöser und weniger optimistisch unterwegs. Musikalisch kann sich der Hörer auf solide Melodien verlassen, die von meiner Sternwarte aus gesehen jedoch zu häufig von dominanten EBM-Rhythmen unterbuttert werden. Aber so ist das nun einmal: Wo der Synthiepop noch verspielt herum fidelt, geht es beim EBM bereits satt auf die Zwölf. Das Gaspedal wird dabei allerdings nur in Ausnahmefällen bis zum Anschlag durchgedrückt, vielmehr achtete Produzent Mika Rossi (Endless Shame, Autodafeh) darauf, speziell die Refrains instrumental um friemelige Facetten zu bereichern – meistens verleihen einige clevere Akkordwechsel, wie im Falle von „Pulsar“, den ansonsten recht biederen Tracks die nötige Struktur und maximalen Wiedererkennungswert.

Eine weitere Besonderheit der vorliegenden CD ist deren kontinuierlich steigende Qualität mit fortschreitender Spieldauer. Der hintere Teil des 14 Songs umfassenden Longplayers besteht nicht etwa aus den typischen „Fillern“, sondern aus waschechten Hits, wie dem unglaublich eingängigen „Total Recall“ oder dem reduzierten „Neon Metropolis“, das die Spacesynthie-Thematik am Besten transportieren kann. Hier stehen die kratzigen Synths im passenden Gegensatz zu einer lässigen Bassline und dem harmonischen Gesang. Zudem wird der EBM zugunsten der versprengten And One-Sounds zurück gefahren, so dass der „suchende“ Grundgedanke des Albums in der finalen Eintracht mit der neuen Welt „Neon Metropolis“ aufgeht. Der darauf folgende Beitrag „New Body Machine“ passt dagegen nicht ganz zur bis dato provozierten Stimmung, die aus ihrer entspannten Wohlfühlatmosphäre heraus geschrien wird. So bleibt letztlich ein Fazit, das den italienischen Elektronikern handwerkliches Geschick bescheinigt, aber Kritik an der Anordnung der einzelnen Songs üben muss. Gerade wenn man ein Konzeptalbum plant, müssen die Tracks ineinander übergehen und dürfen den Hörer nicht verstören. Dies gelingt nicht immer, gleichwohl jedes Lied für sich überdurchschnittliche Qualität erreicht. Besinnen sich „Halo Effect“ auf ihre „effektiven“ Stärken in punkto treffsicherer Melodien, steht ihnen eine positive Zukunft offen – nicht nur in außerirdischen Gefilden.

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